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Ratgeber

Ist mein Dach für Photovoltaik geeignet? Prüfschema

Fachredaktion Solar-Fachberater · zuletzt fachlich geprüft am 24.8.2026 · 9 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Ein Dach ist grundsätzlich für Photovoltaik geeignet, wenn ausreichend unverschattete Fläche vorhanden ist, die Ausrichtung zwischen Ost und West über Süd liegt und Statik sowie Netzanschluss von Fachleuten bestätigt werden. Nord allein schliesst eine Anlage nicht aus, senkt aber den Ertrag deutlich.

  • Ausrichtung und Neigung verändern den Ertrag stärker als die Modulwahl.
  • Schon eine kleine Teilverschattung kann den Ertrag eines ganzen Strings überproportional senken.
  • Statik, Dachzustand und Zählerschrank sind Prüfpunkte, keine Ausschlusskriterien im Vorfeld.

Dachfläche und Belegbarkeit

Massgeblich ist nicht die gesamte Dachfläche, sondern die zusammenhängende, unverschattete Fläche je Dachseite. Randabstände zur Traufe und zum Grat, Dachfenster, Kamine, Gauben und Wartungswege reduzieren die tatsächlich belegbare Fläche.

Ausrichtung: der wichtigste Ertragsfaktor

Ertragsfaktor nach Ausrichtung (Süd = 1,00)
AusrichtungFaktor
Süd1,00
Südost / Südwest0,95
Ost / West0,86
Nord0,62

Werte aus einer PVGIS-Auswertung nach Azimut, ohne Berücksichtigung individueller Verschattung.

Eine Ost/West-Anlage liefert im Jahr weniger Gesamtertrag, verteilt die Erzeugung aber gleichmässiger über den Tag - für Haushalte mit Verbrauch morgens und abends kann das den niedrigeren Ertrag teilweise ausgleichen. Eine reine Nordausrichtung ist technisch möglich, aber wirtschaftlich meist nur zweite Wahl, wenn keine andere Dachfläche verfügbar ist.

Dachneigung

Ertragsfaktor nach Dachneigung
NeigungFaktor
0–15°0,95
15–45°1,00
über 45°0,94

Pauschalfaktor der Redaktion auf Basis von PVGIS-Bandbreiten, ersetzt keine Standortsimulation.

Verschattung: kleine Ursache, grosse Wirkung

  • Nahverschattung: Bäume, Nachbargebäude, Antennen oder Dachaufbauten direkt auf oder nahe der Dachfläche.
  • Horizontverschattung: Berge, Wälder oder hohe Gebäude in der Umgebung, wirken vor allem morgens und abends.
  • Eigenverschattung: eine Dachgaube oder ein zweiter Dachaufbau wirft Schatten auf die eigene Modulfläche.

Statik, Dachalter, Zählerschrank und Netzanschluss

Dachstatik
Prüft, ob die zusätzliche Last aus Modulen und Unterkonstruktion vom Dachstuhl getragen wird. Diese Prüfung gehört in die Hand einer Fachperson, nicht in eine pauschale Ratgeberaussage.
Dachalter und Dachzustand
Bei absehbarer Dachsanierung ist es meist sinnvoller, Dach und Anlage gemeinsam zu planen, statt kurz nacheinander zweimal zu arbeiten.
Zählerschrank
Muss den aktuellen technischen Anschlussbedingungen entsprechen; ein veralteter Zählerschrank wird häufig im Zuge der PV-Installation mit erneuert.
Netzanschluss
Der Netzbetreiber muss die Anlage vor Inbetriebnahme über einen Fachbetrieb angemeldet bekommen; er prüft die Kapazität des Anschlusses.

Ablauf der Planung

  1. 1

    Verbrauch und Dachdaten sammeln

    Jahresstromverbrauch, Dachflächen je Ausrichtung, bekannte Verschattungsquellen.

  2. 2

    Grobe Anlagengrösse abschätzen

    Verbrauch und Dachfläche gegenüberstellen, siehe PV-Größenrechner.

  3. 3

    Vor-Ort-Prüfung durch einen Fachbetrieb

    Statik, Dachzustand, Verschattungssituation und Zählerschrank werden konkret geprüft.

  4. 4

    Netzanschlussanfrage

    Der Fachbetrieb klärt mit dem Netzbetreiber die Kapazität des Anschlusses.

  5. 5

    Angebot und Ausführungsplanung

    Erst danach werden Modultyp, Wechselrichter und Verschaltung konkret festgelegt.

Rechner

PV-Größenrechner

Verbrauch, Dachfläche und Ausrichtung eingeben und die passende Anlagengröße als Bereich sehen - inklusive offengelegtem Rechenweg.

Rechner öffnen

Typische Planungsfehler

  • Verschattung wird nur zur Mittagszeit beurteilt, nicht über den Tages- und Jahresverlauf.
  • Die Anlage wird ausschliesslich auf die grösste Dachfläche gelegt, ohne die Ausrichtung zu vergleichen.
  • Statik wird als Formsache behandelt statt tatsächlich geprüft.
  • Der Zählerschrank wird erst nach der Modulmontage betrachtet, was zu Verzögerungen führt.
  • Eine anstehende Dachsanierung wird bei der Anlagenplanung nicht berücksichtigt.

Annahmen und Datengrundlage

Jeder Rechenwert liegt offen. Redaktionelle Auslegungsregeln sind als solche gekennzeichnet.

Ertragsfaktor nach Ausrichtung (Süd = 1,00)
Süd 1,00 · Südost/Südwest 0,95 · Ost/West 0,86 · Nord 0,62
belegt

Bandbreite je Standort und Verschattung; die Werte sind Mittelwerte einer PVGIS-Auswertung für geneigte Dächer.

Quelle: PVGIS (JRC), Auswertung nach Azimut · Stand 13.8.2026

Ertragsfaktor nach Dachneigung
0–15° 0,95 · 15–45° 1,00 · über 45° 0,94
redaktionelle Annahme

Pauschalfaktor der Redaktion, abgeleitet aus PVGIS-Bandbreiten. Für eine konkrete Planung ersetzt er keine Standortsimulation.

Quelle: Redaktionelle Auslegungsregel auf Basis von PVGIS-Bandbreiten · Stand 13.8.2026

Fläche eines Standard-Dachmoduls
2 m²
belegt

1.762 mm × 1.134 mm = 1,998 m², gerundet 2,0 m².

Quelle: Datenblätter marktgängiger Standardmodule · Stand 13.8.2026

Anteil der Dachfläche, der tatsächlich belegt werden kann
0,85
redaktionelle Annahme

Randabstände, Dachfenster, Kamine, Gauben und Wartungswege reduzieren die belegbare Fläche. Redaktioneller Pauschalwert, kein Ersatz für ein Belegungsplan.

Quelle: Redaktionelle Auslegungsregel · Stand 13.8.2026

Häufige Fragen

Ist eine Ost/West-Ausrichtung schlecht für Photovoltaik?

Nein. Sie liefert im Jahr weniger Gesamtertrag als Süd, verteilt die Erzeugung aber gleichmässiger über den Tag und kann so besser zu einem Verbrauchsprofil mit Spitzen morgens und abends passen.

Muss ich vor der Planung selbst die Statik prüfen?

Nein, das ist Aufgabe der Fachplanung. Als Eigentümer solltest du wissen, dass diese Prüfung notwendig ist, und Unterlagen zum Dachaufbau bereithalten, wenn vorhanden.

Kann eine teilverschattete Dachfläche trotzdem genutzt werden?

Ja, mit Einschränkungen. Modulebenen-Elektronik kann den Ertragsverlust durch Teilverschattung begrenzen. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt vom Ausmass der Verschattung ab und sollte im Angebot konkret durchgerechnet werden.

Wie lange dauert die Netzanschlussprüfung?

Das hängt vom Netzbetreiber und der Kapazität vor Ort ab. Der Fachbetrieb reicht die Anfrage ein und kennt die üblichen Bearbeitungszeiten seines Netzbetreibers.

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