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Ratgeber

PV-Anlagengröße berechnen: so kommst du auf die passende Leistung

Fachredaktion Solar-Fachberater · zuletzt fachlich geprüft am 13.8.2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Teile deinen Jahresstromverbrauch durch den spezifischen Jahresertrag am Standort (Süddach in Deutschland rund 1.000 kWh je kWp) und prüfe anschliessend, ob die Dachfläche diese Leistung überhaupt zulässt. Der kleinere der beiden Werte ist die passende Anlagengröße.

  • 4.500 kWh Verbrauch ÷ 1.000 kWh/kWp ergibt etwa 4,5 kWp als Untergrenze.
  • Rund 5 m² Dachfläche pro kWp inklusive Randabständen - 4,5 kWp brauchen also grob 23 m².
  • Geplante Wärmepumpe oder E-Auto zählen als Aufschlag auf den Verbrauch, nicht als Sicherheitszuschlag auf die Leistung.

Schritt 1: Jahresverbrauch als Ausgangspunkt

Der Jahresstromverbrauch steht auf der letzten Abrechnung deines Stromversorgers. Nimm den tatsächlichen Wert, nicht einen Durchschnitt aus Vergleichstabellen: Zwei Haushalte gleicher Größe unterscheiden sich beim Verbrauch regelmässig um mehr als das Doppelte.

Geplante neue Verbraucher werden getrennt aufgeschlagen. So bleibt nachvollziehbar, welcher Teil der Anlagengröße auf gesichertem Verbrauch beruht und welcher auf einer Absicht.

Orientierungswerte für geplante Mehrverbräuche
VerbraucherZusätzlicher Strombedarf pro JahrBandbreite
E-Auto, 10.000 kmca. 2.000 kWh1.800–2.500 kWh
Wärmepumpe, Einfamilienhausca. 3.500 kWh2.500–5.000 kWh
Klimatisierung Wohnraumca. 400 kWh300–600 kWh

Orientierungswerte der Redaktion, keine Messwerte deiner Geräte. Die Bandbreite ist bewusst weit: bei der Wärmepumpe entscheiden Heizwärmebedarf und Jahresarbeitszahl über den Wert.

Schritt 2: Spezifischen Ertrag am Standort bestimmen

Die Brücke zwischen Kilowattstunden Verbrauch und Kilowatt-Peak Leistung.

Der spezifische Jahresertrag sagt, wie viele Kilowattstunden ein installiertes Kilowatt-Peak an deinem Standort im Jahr liefert. Für ein geneigtes Süddach in Deutschland liegt er nach PVGIS-Auswertungen bei etwa 900 bis 1.100 kWh je kWp - im Norden eher am unteren Rand, im Süden eher am oberen.

Aus diesem Basiswert wird mit zwei Faktoren der Wert für dein Dach: einer für die Ausrichtung, einer für die Neigung.

Faktoren für Ausrichtung und Neigung
MerkmalAusprägungFaktor
AusrichtungSüd1,00
AusrichtungSüdost / Südwest0,95
AusrichtungOst / West0,86
AusrichtungNord0,62
Neigung0–15° (flach)0,95
Neigung15–45°1,00
Neigungüber 45°0,94

Ausrichtungsfaktoren aus PVGIS. Die Neigungsfaktoren sind ein redaktioneller Pauschalwert aus denselben Bandbreiten - für die Bauplanung ersetzt er keine Standortsimulation.

Schritt 3: Was das Dach hergibt

Marktgängige Halbzellenmodule im Format 1.762 × 1.134 mm belegen rund 2 m² und leisten etwa 400 bis 470 Wp. Rein geometrisch ergibt das etwa 4,5 m² Modulfläche je Kilowatt-Peak.

Vom Dach ist aber nie die gesamte Fläche belegbar. Randabstände, Dachfenster, Kamine, Gauben und Wartungswege kosten Platz. Wir rechnen deshalb mit einem Belegungsfaktor von 0,85 - einer redaktionellen Auslegungsregel, die ein Belegungsplan des Fachbetriebs später präzisiert.

Wie viele Module passen auf 40 m² Dachfläche?

  1. Belegbare Fläche

    40 m² × 0,85

    = 34 m²

  2. Modulanzahl

    34 m² ÷ 2,0 m² je Modul

    = 17 Module

  3. Anlagenleistung

    17 × 0,44 kWp

    = ca. 7,5 kWp

Auf 40 m² nutzbarer Dachfläche sind rund 7,5 kWp realistisch.

Schritt 4: Vollständiges Rechenbeispiel

Vierköpfiger Haushalt, 4.500 kWh Verbrauch, E-Auto geplant, 40 m² Südwestdach mit 35° Neigung.

Von Verbrauch und Dach zur Anlagengröße

  1. 1. Gesamtverbrauch

    4.500 kWh + 2.000 kWh (E-Auto)

    = 6.500 kWh pro Jahr

  2. 2. Spezifischer Ertrag

    1.000 kWh/kWp × 0,95 (Südwest) × 1,00 (35°)

    = 950 kWh je kWp

  3. 3. Leistungsbedarf

    6.500 kWh ÷ 950 kWh/kWp × 1,0 bis 1,3

    = 6,8 bis 8,9 kWp

  4. 4. Dachgrenze

    40 m² × 0,85 ÷ 2,0 m² = 17 Module × 0,44 kWp

    = 7,5 kWp

  5. 5. Begrenzender Faktor

    Dachgrenze 7,5 kWp liegt innerhalb des Bedarfsbereichs

    = 7,0 bis 7,5 kWp

  6. 6. Erwartete Erzeugung

    7,0 bis 7,5 kWp × 950 kWh/kWp

    = 6.650 bis 7.125 kWh pro Jahr

Passend sind rund 7,0 bis 7,5 kWp, also etwa 16 bis 17 Module. Die Dachfläche begrenzt hier die Obergrenze, nicht der Verbrauch.

Das Ergebnis ist ein Planungsbereich, keine Punktzahl. Angebote in dieser Spanne sind sachlich begründbar; deutliche Abweichungen nach oben sollte ein Anbieter erklären können.

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Der PV-Größenrechner nutzt genau die hier beschriebenen Schritte und Faktoren und zeigt den Rechenweg zu deiner Eingabe.

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Häufige Fehler bei der Auslegung

So wird es belastbar

  • Verbrauch von der Abrechnung nehmen, nicht aus Haushaltsgrößen-Tabellen.
  • Geplante Mehrverbräuche einzeln aufschlagen und benennen.
  • Nutzbare Teilfläche einer Dachseite messen statt der Grundfläche des Hauses.
  • Ergebnis als Bereich behandeln und Angebote daran prüfen.

Das führt regelmässig in die Irre

  • Anlagengröße pauschal an der Personenzahl im Haushalt ausrichten.
  • Die volle Dachfläche als belegbar annehmen.
  • Ost/West-Dächer wie Süddächer rechnen.
  • Speicherkapazität festlegen, bevor die Anlagengröße steht.

Annahmen und Datengrundlage

Jeder Rechenwert liegt offen. Redaktionelle Auslegungsregeln sind als solche gekennzeichnet.

Spezifischer Jahresertrag (Süddach, geneigt, Deutschland)
900–1.100 kWh/kWp
belegt

Standortabhängig: Norddeutschland eher am unteren, Süddeutschland eher am oberen Rand.

Quelle: PVGIS, Photovoltaic Geographical Information System der Europäischen Kommission (JRC) · Stand 13.8.2026

Ertragsfaktor nach Ausrichtung (Süd = 1,00)
Süd 1,00 · Südost/Südwest 0,95 · Ost/West 0,86 · Nord 0,62
belegt

Bandbreite je Standort und Verschattung; die Werte sind Mittelwerte einer PVGIS-Auswertung für geneigte Dächer.

Quelle: PVGIS (JRC), Auswertung nach Azimut · Stand 13.8.2026

Ertragsfaktor nach Dachneigung
0–15° 0,95 · 15–45° 1,00 · über 45° 0,94
redaktionelle Annahme

Pauschalfaktor der Redaktion, abgeleitet aus PVGIS-Bandbreiten. Für eine konkrete Planung ersetzt er keine Standortsimulation.

Quelle: Redaktionelle Auslegungsregel auf Basis von PVGIS-Bandbreiten · Stand 13.8.2026

Nennleistung eines Standard-Dachmoduls
400–470 Wp
belegt

Marktgängige Halbzellenmodule im Format 1.762 × 1.134 mm.

Quelle: Datenblätter marktgängiger Standardmodule (Format 1.762 × 1.134 mm) · Stand 13.8.2026

Fläche eines Standard-Dachmoduls
2 m²
belegt

1.762 mm × 1.134 mm = 1,998 m², gerundet 2,0 m².

Quelle: Datenblätter marktgängiger Standardmodule · Stand 13.8.2026

Anteil der Dachfläche, der tatsächlich belegt werden kann
0,85
redaktionelle Annahme

Randabstände, Dachfenster, Kamine, Gauben und Wartungswege reduzieren die belegbare Fläche. Redaktioneller Pauschalwert, kein Ersatz für ein Belegungsplan.

Quelle: Redaktionelle Auslegungsregel · Stand 13.8.2026

Auslegungsbereich: Jahreserzeugung im Verhältnis zum Jahresverbrauch
1,0 bis 1,3
redaktionelle Annahme

Untergrenze: Erzeugung entspricht dem Verbrauch. Obergrenze: bewusste Überdimensionierung für Speicher, Wärmepumpe oder E-Auto. Redaktionelle Auslegungsregel.

Quelle: Redaktionelle Auslegungsregel · Stand 13.8.2026

Zusätzlicher Strombedarf E-Auto (10.000 km/Jahr)
1.800–2.500 kWh
redaktionelle Annahme

18–22 kWh/100 km inklusive Ladeverluste. Orientierungswert, kein Messwert deines Fahrzeugs.

Quelle: Redaktionelle Orientierung aus Herstellerverbrauchsangaben zzgl. Ladeverlusten · Stand 13.8.2026

Zusätzlicher Strombedarf Wärmepumpe (Einfamilienhaus)
2.500–5.000 kWh
redaktionelle Annahme

Stark abhängig von Heizwärmebedarf, Vorlauftemperatur und Jahresarbeitszahl. Orientierungswert.

Quelle: Redaktionelle Orientierung · Stand 13.8.2026

Zusätzlicher Strombedarf Klimatisierung (Wohnraum)
300–600 kWh
redaktionelle Annahme

Für ein bis zwei Split-Innengeräte im Sommerbetrieb. Orientierungswert.

Quelle: Redaktionelle Orientierung · Stand 13.8.2026

Häufige Fragen

Wie groß muss meine PV-Anlage bei 4.000 kWh Verbrauch sein?

Bei einem Süddach mit rund 1.000 kWh je kWp ergibt das etwa 4 kWp als Untergrenze und bis zu rund 5,2 kWp, wenn du bewusst Reserve für Speicher oder E-Auto einplanst. Voraussetzung sind etwa 20 bis 26 m² nutzbare Dachfläche.

Soll ich die Anlage größer bauen als der Verbrauch verlangt?

Das ist sinnvoll, wenn konkrete Mehrverbräuche absehbar sind oder die Dachfläche ohnehin frei bleibt: Der Aufpreis pro zusätzlichem Kilowatt-Peak ist geringer als bei einer späteren Erweiterung. Ohne diesen Grund erhöht die zusätzliche Leistung vor allem die eingespeiste Menge.

Wie genau ist so eine Überschlagsrechnung?

Sie liefert die richtige Größenordnung und einen Prüfmaßstab für Angebote. Verschattung, Dachstatik, Modulbelegung und Wechselrichterauslegung entscheidet ein Fachbetrieb vor Ort - dafür ist eine Rechnung mit pauschalen Faktoren nicht gedacht.

Zählt die Wechselrichterleistung oder die Modulleistung?

Für die Auslegung rechnest du mit der Modulleistung in kWp. Wechselrichter werden häufig knapper ausgelegt als die Modulleistung, weil die Spitzenleistung nur selten erreicht wird. Beide Werte gehören ins Angebot und sollten zusammenpassen.

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