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Ratgeber

Wie funktioniert Photovoltaik? Aufbau einer PV-Anlage erklärt

Fachredaktion Solar-Fachberater · zuletzt fachlich geprüft am 24.8.2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Solarzellen wandeln Sonnenlicht direkt in Gleichstrom um. Ein Wechselrichter macht daraus haushaltsüblichen Wechselstrom, der zuerst im Haus verbraucht und erst im Überschuss ins Netz eingespeist wird. Zähler messen beide Richtungen getrennt.

  • Zellen werden zu Modulen und Modulen zu Strings verschaltet - erst dadurch entsteht nutzbare Spannung.
  • Der Wechselrichter ist die zentrale Steuer- und Umwandlungseinheit der Anlage.
  • Wirkungsgrad und Jahresertrag sind zwei verschiedene Kennzahlen und werden häufig verwechselt.

Der photoelektrische Effekt: Licht wird zu Strom

Eine Solarzelle besteht aus mehreren Schichten Silizium, die unterschiedlich dotiert sind. Trifft Sonnenlicht auf die Zelle, lösen die Photonen Elektronen aus ihrer Bindung. Der innere Aufbau der Zelle sorgt dafür, dass diese Elektronen in eine Richtung fliessen - es entsteht ein Gleichstrom, solange Licht auf die Zelle fällt.

Dieser Effekt braucht kein direktes Sonnenlicht. Auch bei diffusem Licht an bewölkten Tagen fliesst Strom, nur deutlich weniger als bei klarem Himmel und hohem Sonnenstand.

Von der Zelle zum String

Solarzelle
Die kleinste Einheit, meist rund 0,5 Volt Spannung. Für nutzbare Leistung müssen viele Zellen zusammengeschaltet werden.
Modul
Mehrere Zellen, elektrisch verschaltet und wetterfest verkapselt. Die Nennleistung eines Moduls wird in Watt-Peak (Wp) angegeben.
String
Mehrere Module in Reihe geschaltet. Die Spannungen der Module addieren sich, der Strom bleibt gleich - ein String liefert die Spannung, die der Wechselrichter für einen effizienten Betrieb benötigt.

Aufbau einer Photovoltaikanlage

Vier bis fünf Komponenten arbeiten zusammen, vom Dach bis zur Steckdose.

  • Module auf dem Dach oder Freiflächen-Unterkonstruktion, erzeugen Gleichstrom.
  • Wechselrichter, wandelt Gleichstrom in Wechselstrom um und regelt die Anlage.
  • Zähler und Messkonzept: ein Zweirichtungszähler erfasst Bezug und Einspeisung getrennt.
  • Optional: Batteriespeicher, verschiebt überschüssigen Solarstrom in Verbrauchszeiten ohne Sonne.
  • Monitoring, zeigt Erzeugung und teils Verbrauch an und hilft, Störungen früh zu erkennen.

Gleichstrom und Wechselstrom: die Rolle des Wechselrichters

Module liefern Gleichstrom (DC). Das Hausnetz und das öffentliche Stromnetz arbeiten mit Wechselstrom (AC). Der Wechselrichter übernimmt diese Umwandlung und übernimmt zugleich mehrere Regelaufgaben: er sucht den Arbeitspunkt der Module mit der höchsten Leistung (MPP-Tracking), überwacht die Netzverträglichkeit und schaltet die Anlage bei Netzstörungen sicher ab.

Die Auslegung des Wechselrichters gegenüber der Modulleistung bestimmt, wie viel Modulleistung sinnvoll angeschlossen werden kann, ohne dass Spitzenerträge ungenutzt verpuffen.

Wohin der erzeugte Strom fliesst

  1. 1

    Eigenverbrauch

    Solarstrom, der im Moment der Erzeugung im Haus verbraucht wird, hat Vorrang und ersetzt teureren Netzbezug.

  2. 2

    Speicherladung (falls vorhanden)

    Überschuss, der nicht sofort verbraucht wird, lädt zuerst den Speicher, bevor er ins Netz geht.

  3. 3

    Einspeisung

    Verbleibender Überschuss wird ins öffentliche Netz eingespeist und nach den geltenden EEG-Sätzen vergütet.

Häufige Verwechslung: Wirkungsgrad und Ertrag

Der Modulwirkungsgrad beschreibt, welcher Anteil der eingestrahlten Sonnenenergie unter Labor-Testbedingungen in Strom umgewandelt wird - marktübliche Module liegen hier meist zwischen 20 und 22 Prozent. Der Jahresertrag in kWh je kWp beschreibt dagegen, wie viel Strom die Anlage über ein Jahr am konkreten Standort tatsächlich liefert.

Ein höherer Modulwirkungsgrad bedeutet vor allem mehr Leistung auf gleicher Fläche, nicht automatisch einen höheren Jahresertrag je kWp. Der Jahresertrag hängt vor allem von Standort, Ausrichtung, Neigung und Verschattung ab.

Typische Missverständnisse

Verbreitete Annahmen im Vergleich zur Realität
AnnahmeTatsächlich
Die Anlage braucht direkte Sonne, um zu erzeugenSie erzeugt auch bei diffusem Licht, nur mit geringerer Leistung
kWp ist die Leistung, die man im Alltag erwarten kannkWp ist eine Testbedingungs-Angabe, real liegt der Ertrag im Jahresmittel darunter
Mehr Wirkungsgrad heisst automatisch mehr Jahresertrag je kWpDer Jahresertrag hängt vor allem von Standort und Ausrichtung ab
Ein Speicher erzeugt zusätzlichen StromEin Speicher verschiebt nur vorhandenen Solarstrom zeitlich

Annahmen und Datengrundlage

Jeder Rechenwert liegt offen. Redaktionelle Auslegungsregeln sind als solche gekennzeichnet.

Nennleistung eines Standard-Dachmoduls
400–470 Wp
belegt

Marktgängige Halbzellenmodule im Format 1.762 × 1.134 mm.

Quelle: Datenblätter marktgängiger Standardmodule (Format 1.762 × 1.134 mm) · Stand 13.8.2026

Spezifischer Jahresertrag (Süddach, geneigt, Deutschland)
900–1.100 kWh/kWp
belegt

Standortabhängig: Norddeutschland eher am unteren, Süddeutschland eher am oberen Rand.

Quelle: PVGIS, Photovoltaic Geographical Information System der Europäischen Kommission (JRC) · Stand 13.8.2026

Häufige Fragen

Erzeugt eine PV-Anlage auch bei bewölktem Himmel Strom?

Ja, auch diffuses Licht löst den photoelektrischen Effekt aus. Die Leistung liegt dann aber deutlich unter der bei klarem Himmel und hohem Sonnenstand.

Warum wird die Modulleistung in Watt-Peak angegeben?

Watt-Peak (Wp) ist die Leistung unter genormten Testbedingungen (1.000 W/m² Einstrahlung, 25 °C Zelltemperatur). Sie erlaubt den Vergleich verschiedener Module, entspricht aber nicht der realen Dauerleistung im Betrieb.

Was passiert, wenn der Wechselrichter ausfällt?

Ohne funktionierenden Wechselrichter kann die Anlage keinen nutzbaren Wechselstrom liefern, auch wenn die Module weiter Gleichstrom erzeugen. Der Wechselrichter ist deshalb die Komponente mit dem höchsten Ausfallrisiko im System und wird meist mit kürzerer Garantiezeit als die Module verkauft.

Ist ein Speicher Teil jeder Photovoltaikanlage?

Nein. Eine Anlage funktioniert auch ohne Speicher, dann geht überschüssiger Strom direkt ins Netz. Der Speicher ist eine optionale Ergänzung, die den Eigenverbrauchsanteil erhöht.

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