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Ratgeber

Eigenverbrauch erhöhen: Warum sich das bei Photovoltaik lohnt

Fachredaktion Solar-Fachberater · zuletzt fachlich geprüft am 24.8.2026 · 9 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Selbst verbrauchter Solarstrom spart dir den vollen Strombezugspreis, eingespeister Strom bringt nur die deutlich niedrigere Einspeisevergütung. Diese Differenz ist der wirtschaftliche Hebel hinter jeder Massnahme zur Erhöhung des Eigenverbrauchs.

  • Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch typisch bei rund 30 Prozent der Erzeugung, mit passend ausgelegtem Speicher bei etwa 55 bis 70 Prozent.
  • Lastverschiebung in die Mittagsstunden erhöht den Eigenverbrauch ohne Zusatzinvestition.
  • Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad sind zwei unterschiedliche Kennzahlen und werden häufig verwechselt.

Der wirtschaftliche Hebel: Bezugspreis minus Einspeisevergütung

Jede Kilowattstunde Solarstrom, die du im Moment der Erzeugung selbst verbrauchst, ersetzt eine Kilowattstunde, die du sonst zum Haushaltstarif einkaufen müsstest. Speist du dieselbe Kilowattstunde stattdessen ein, erhältst du die deutlich niedrigere Einspeisevergütung. Die Differenz zwischen beiden Beträgen ist der wirtschaftliche Hebel jeder Massnahme zur Eigenverbrauchssteigerung.

Typische Eigenverbrauchsquote ohne und mit Speicher

Eigenverbrauchsquote im typischen Haushalt (Orientierung)
SituationEigenverbrauchsquote
Ohne Speicher, ohne Lastverschiebungca. 30 %
Ohne Speicher, mit Lastverschiebungca. 35–40 %
Mit passend ausgelegtem Speicherca. 55–70 %

Redaktionelle Orientierungswerte für einen typischen Haushalt; die konkrete Quote hängt von Anlagengrösse, Verbrauchsprofil und Speichergrösse ab.

Lastverschiebung im Alltag

  • Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine über Zeitschaltuhr oder App in die sonnenreichen Mittagsstunden legen.
  • Warmwasserbereitung mit Heizstab oder steuerbarer Wärmepumpe zeitlich an den Solarertrag koppeln.
  • Elektrofahrzeug tagsüber laden, wenn es zu dieser Zeit am Netzanschluss verfügbar ist.
  • Grössere Verbraucher bündeln statt über den Tag verteilt einzeln zu betreiben.

Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad sind nicht dasselbe

Eigenverbrauchsquote
Anteil des selbst erzeugten Solarstroms, der auch selbst verbraucht wird (bezogen auf die Erzeugung). Sie steigt, wenn Verbrauch und Erzeugung besser zusammenfallen oder ein Speicher Überschuss zwischenspeichert.
Autarkiegrad
Anteil des gesamten Strombedarfs, der aus der eigenen Anlage gedeckt wird (bezogen auf den Verbrauch). Er steigt vor allem durch eine grössere Anlage oder einen grösseren Speicher, nicht allein durch Lastverschiebung.

Grenzen: Überdimensionierung

Eine Anlage, die deutlich mehr Strom erzeugt als der Haushalt inklusive geplanter Mehrverbräuche jemals nutzen kann, erhöht vor allem die eingespeiste Menge zur niedrigeren Vergütung. Die zusätzliche Kilowattstunde Erzeugung ist dann wirtschaftlich weniger wert als eine, die tatsächlich selbst verbraucht wird. Die passende Anlagengrösse orientiert sich deshalb am Jahresverbrauch einschliesslich geplanter Zusatzverbraucher, nicht allein an der verfügbaren Dachfläche.

Speicher oder Lastverschiebung?

Speicher

  • Wirkt unabhängig vom Tagesablauf, auch wenn Verbrauch nicht aktiv verschoben werden kann.
  • Erhöht Eigenverbrauch und teils Autarkiegrad deutlich.
  • Kann je nach System zusätzlich Ersatzstromfähigkeit bieten.

Lastverschiebung

  • Kostet zusätzlich und muss sich über die eingesparte Differenz amortisieren.
  • Erhöht die Erzeugung selbst nicht, verschiebt nur vorhandenen Strom.
  • Ohne Kosten umsetzbar, wenn Zeitpläne der Verbraucher flexibel sind.

Beispielrechnung: Wert einer erhöhten Eigenverbrauchsquote

Zusätzlicher Eigenverbrauch durch Lastverschiebung (Rechenbeispiel)

  1. 1. Jahreserzeugung der Anlage (Beispielwert)

    8 kWp × 1.000 kWh/kWp

    = 8.000 kWh

  2. 2. Zusätzlich selbst verbrauchte Menge durch Lastverschiebung (Beispielwert)

    5 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauchsquote auf 8.000 kWh

    = 400 kWh zusätzlich selbst verbraucht

  3. 3. Wert der Verschiebung (Beispielwert: 0,10 €/kWh Differenz)

    400 kWh × 0,10 €/kWh

    = ca. 40 € pro Jahr

Die 0,10 €/kWh sind ein Beispielwert für die Differenz aus Strombezugspreis und Einspeisevergütung, kein erhobener Marktpreis. Setze deinen eigenen Bezugspreis und die für dich geltende Einspeisevergütung ein, um den Betrag für deinen Haushalt zu bestimmen.

Rein rechnerisches Beispiel zur Veranschaulichung des Hebels, keine Prognose für eine konkrete Anlage.

Annahmen und Datengrundlage

Jeder Rechenwert liegt offen. Redaktionelle Auslegungsregeln sind als solche gekennzeichnet.

Haushaltsstrompreis
keine belegte Angabe
redaktionelle Annahme

Tarifabhängig. In Rechnungen wird der Preis immer als Eingabe verwendet und nie unterstellt.

Quelle: Eigener Stromvertrag bzw. Jahresabrechnung · Stand 13.8.2026

Einspeisevergütung für neue Anlagen
keine belegte Angabe
belegt

Die Sätze werden regelmässig angepasst. Wir nennen hier bewusst keinen Wert, sondern verweisen auf die amtliche Veröffentlichung zum Zeitpunkt deiner Inbetriebnahme.

Quelle: Bundesnetzagentur, Veröffentlichung der EEG-Vergütungssätze · Stand 13.8.2026

Spezifischer Jahresertrag (Süddach, geneigt, Deutschland)
900–1.100 kWh/kWp
belegt

Standortabhängig: Norddeutschland eher am unteren, Süddeutschland eher am oberen Rand.

Quelle: PVGIS, Photovoltaic Geographical Information System der Europäischen Kommission (JRC) · Stand 13.8.2026

Häufige Fragen

Lohnt sich Lastverschiebung auch ohne Speicher?

Ja. Wer grössere Verbraucher in die sonnenreichen Mittagsstunden legt, erhöht den Eigenverbrauch ohne Zusatzinvestition. Der Effekt ist kleiner als bei einem passend ausgelegten Speicher, aber kostenfrei umsetzbar.

Was bringt eine grössere Anlage für den Eigenverbrauch?

Eine grössere Anlage erhöht in der Regel den Autarkiegrad, kann die Eigenverbrauchsquote aber sogar senken, wenn ein grösserer Anteil der Erzeugung über den unmittelbaren Bedarf hinausgeht und eingespeist werden muss.

Ist ein Speicher wirtschaftlich immer die bessere Wahl als Lastverschiebung?

Nicht automatisch. Lastverschiebung ist kostenfrei, wirkt aber nur, wenn Verbraucher zeitlich flexibel sind. Ein Speicher wirkt unabhängig davon, kostet aber und muss sich über die eingesparte Differenz amortisieren. Details zur Wirtschaftlichkeitsprüfung stehen im Beitrag zum Stromspeicher.

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